Auch wer die entfernte Inselwelt nicht zu kennen glaubt, wird zumindest von den beiden Gerichten Bami und Nasi Goreng gehört haben. Unbekannter sind dagegen viele der nur hier vorkommenden Tierarten wie der Koboldmaki, eine Affenart, oder der Minibüffel Anoa.
Jede der unzähligen Inseln hat ihr eigenes Gesicht − geprägt durch Landschaft, Klima und Menschen. Somit bestehen große Unterschiede zwischen den Kulturen der einzelnen Regionen. Die meisten Inseln liegen am so genannten Feuerring, einer vulkanischen Gebirgskette, die die Erde umspannt.
Teile der indonesischen Inselwelt liegen am Korallendreieck, in dem 75 Prozent aller bekannten Korallen- und mehr als 3 000 Fischarten leben. Eine weitere Besonderheit ist die Wallace-Linie zwischen Kalimantan, Sulawesi und zwischen Bali und Lombok. Sie ist eine biogeografische Trennlinie zwischen asiatischer und australischer Fauna und Flora. Je nach Insel kommen so Tiere und Pflanzen zweier vollkommen unterschiedlicher Kontinente vor.
Der lange Weg zur Unabhängigkeit
Der Fund des Java-Menschen beweist, dass diese Insel bereits vor rund 1,8 Millionen Jahren besiedelt war. Wegen der günstigen Lage an der Seehandelsroute von China nach Indien blühte der Handel im ersten Jahrtausend n. Chr. und es entstanden mehrere hinduistische und buddhistische Königsreiche. Das bekannteste davon - Srivijaya auf Sumatra - herrschte bis rund 700 n. Chr., bevor es im 11. Jahrhundert zu zerfallen begann. Ab dem 15. Jahrhundert kamen immer mehr arabische Händler nach Indonesien und die Konversion zum Islam begann. Mit Entdeckung des Seeweges nach Indien drangen dann die Europäer in den indonesischen Raum vor. Nach fast hundertjähriger portugiesischer Dominanz setzten sich um 1600 die Niederländer als Kolonialherren durch, die das Land noch 350 Jahre kontrollieren sollten.
Erhaltene Weltkulturerbestätten
Zeugen der bewegten Vergangenheit sind vor allem die beiden bedeutenden UNESCO-Stätten Borobudur und Prambanan. Die riesige Tempelanlage von Borobudur aus dem 9. Jahrhundert weist auf die Spuren Buddhas in Java hin. Sie war lange Zeit verschüttet und wurde erst 1815 wieder entdeckt. Die zehn Stufen des Monuments sind mit fast 1 500 Steinreliefs verziert. Nahezu zeitgleich entstand der Hindutempel von Prambanan zwischen den Sultansstädten Yogyakarta und Surakarta. Der mit 47 Metern höchste Tempel ist Shiva, dem Zerstörer, die beiden anderen den Göttern Brahma, dem Erschaffer und Wishnu, dem Erhalter gewidmet.
Wertvolle Ausgrabungsschätze
In der archäologischen Stätte Sangiran auf der Insel Java wurde eine der ältesten menschlichen Fossilien entdeckt. Einen gesamten Überblick über das kulturelle Erbe des Inselreiches bietet das Nationalmuseum mit Nachweisen erster menschlicher Besiedelung, Statuen der Königsreiche sowie Gold- und Silberschätzen der Sultanshöfe. Vor allem die ethnographische Abteilung des bis ins Jahr 1778 zurückgehenden Museums ist empfehlenswert. Ein Beispiel traditioneller javanischer Architektur bildet der Keraton, der Sultanspalast von Yogykarta aus dem Jahre 1790. Dieser Komplex aus Pavillons, Höfen und Gebäuden spiegelt symbolisch den javanischen Kosmos wider und ist heute noch Sitz des amtierenden Sultans.
Tanz, Theater und Schattenspiel
Tanzen ist in Indonesien eine wichtige Kunstform und wird von frühester Kindheit an gefördert. Fast jedes Dorf hat eine eigene Tanztruppe. Zu den bekanntesten Tänzen zählen der Affentanz „Kecak“, der Opfertanz „Legong“ oder der kultische „Barong“, bei dem die Zuschauer sogar in Trance geraten können. Eine andere Facette der Kunst stellt die Wayang-Schauspielkunst dar. Man unterscheidet zwischen dem traditionellen Schattenspiel, dem Maskenspiel und dem Spiel mit kunstvoll gefertigten Puppen. Gegenstand der Stücke sind oft berühmte alte Hindu-Legenden. Eine traditionelle Vorführung dauert von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang. Das Wayang-Stabpuppenspiel wurde 2003 zum Weltkulturerbe erklärt.
Fremdländische Klänge
Ist von indonesischer Musik die Rede, denken die Meisten zuerst an die überall verbreiteten Gamelan-Orchester. Je nach Stil unterscheiden sich Klang, Tonstimmung und Zusammensetzung der Musikergruppe. Oftmals zählen Trommeln, Gongs, Flöten, Xylophone und das Instrument Angklung dazu, welches einer Gitterrassel ähnelt und von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurde. Gamelan-Musik ist vor allem auf Java und Bali beheimatet und erklingt zu verschiedenen Anlässen, wie religiösen Feiern, Hochzeiten, Geburten oder als Begleitung zu Tanz, Puppentheater und Schattenspiel. Aber auch die Dangdut-Musik erfreut sich in Indonesien großer Beliebtheit. Bei diesem Musikstil handelt es sich um eine Symbiose von malaiischen, nahöstlichen und westlichen Elementen mit Bollywood-Liedgut.
Kunsthandwerk und Gebräuche
Leider war es aufgrund von Naturkatastrophen oft nicht möglich, die kunstvoll gestalteten Bauwerke der letzten Jahrhunderte zu erhalten – manche liegen noch heute unter Schichten aus Schlamm und Vulkanasche verborgen. Umso mehr ist das indonesische Volk darum bemüht, traditionelle Gebräuche und Kunstfertigkeiten wie Bildhauerei, Batikkunst, Schnitzerei oder Malerei für die Nachwelt zu erhalten. Vor allem die Ikatweberei und die hochentwickelte Kunst der Batik sind in Indonesien seit Jahrhunderten beheimatet. In aufwendiger Technik werden reiche Muster mit Blumen, Vogelmotiven, Spiralen und Fantasiestrukturen entwickelt. Lange Zeit dem Adel vorbehalten, dürfen bestimmte Muster auch heute noch nur zu bestimmten Anlässen getragen werden. Die schönsten Batiken kommen aus Tenganan und stehen seit 2009 als Kulturerbe unter dem Schutz der UNESCO.
Kunst- und Kulturfestivals
Indonesiens kulturelle Vielfalt spiegelt sich auch in den zahlreichen Festivals und Veranstaltungen wider. Neben Java mit der Hauptstadt Jakarta sind Bali mit dem Sanur Village Festival oder die Insel Sulawesi mit traditionellen Bestattungszeremonien des Toraja-Landes, dem zehntägigen Sandeq Bootsrennen von Mamuju nach Makassar oder der ArtJog, dem großen Art Festival von Yogyakarta kulturell besonders aktiv.
Botschaft der Republik Indonesien auf globe-m.de.