Wer sich die letzten schönen Herbsttage in Richtung Italien aufmacht, hat unterwegs die Möglichkeit in luftigen Höhen die Ausstellung „Ultima Vista“ zu sehen. Dort stellen Studenten der Münchner Akademie der Bildenden Künste in einer ehemaligen Kaserne aus dem Ersten Weltkrieg aus.
Rückzug ins Exil
Im Herzen der Dolomiten, zwischen Pieve di Cadore und Cortina d’Ampezzo, erhebt sich der „Monte Rite“. Dorthin haben sich Studenten der Klasse von Kunstprofessor Stephan Huber an der Kunstakademie München zurückgezogen – ins Exil, verschanzt in einer alten Kaserne des Ersten Weltkriegs. Hier machen sie Kunst auf 2 000 Meter Höhe, ohne Strom, Licht und fließendes Wasser. Abgeschottet und sozial isoliert, ordnet sich das künstlerische Kollektiv neu und gibt einen letzten ultimativen Einblick: Ultima Vista.
Eine fiktive Geschichte in zwölf Räumen
Die Ausstellung erzählt eine fiktive Geschichte über eine Gruppe von Künstlern, die sich in die Einsamkeit zurückgezogen hat. Die Gruppe behauptet, sie habe Niederlagen erlitten und Kämpfe ausgefochten, erklärt aber nicht genauer, was passiert ist – es bleibt ein Geheimnis. In den Bergen finden die Künstler ihre Kraft zurück und beginnen als Gruppe wieder zu kämpfen: für die Freiheit des Einzelnen in einer durchorganisierten, perfekten Gesellschaft.
Der Ort beherrscht das Thema
Dramatisch ragt das italienische Bergland rund um den Ausstellungsort in den Himmel: surrealer als es die Fiktion je sein könnte. Die künstlerische Klasse spielt mit dieser Realität, lässt sich auf die Besonderheit des Ortes ein. Imaginäre Kriege werden zelebriert: Elefanten kämpfen gegen Militärflugzeuge, Idole der Künstler und Geschichten des Schmerzes werden erzählt. Auf Knopfdruck kann der Besucher Trost und Hoffnung erwerben: Automaten als Seelenspender. Oder ein Propaganda-Raum spielt mit kunstgeschichtlichen Zitaten und kontrastreichen Impressionen.
Der abgelegene Ort verweigert jedwede elektronischen Hilfsmittel und doch schafft die Klasse ein Werk voller medialer Gewalt: mit Tageslicht und viel Sinn für das Monumentale. Insgesamt ist die Ausstellung kein Kunstereignis, sondern eher ein Wahrnehmungsspektakel mit Ausblicken, die so unwirklich sind, dass man sie eher glaubt, als wirklich sieht.
Das MMM: Auseinandersetzung Mensch-Berg
Das Herzstück des „Messner Mountain Museum“, MMM, bei Bozen thematisiert die Auseinandersetzung von Mensch und Berg. Zwischen den Bergen draußen und der Kunst drinnen gibt das Museum einen Parcours vor. Die Wege führen die Besucher aus der Tiefe der Gebirge, wo Entstehung und Ausbeutung der Berge thematisiert werden, hin zur religiösen Bedeutung der Gipfel als Orientierungshilfe und Brücke zum Jenseits. Gleichzeitig wird die Geschichte des Bergsteigens und des alpinen Tourismus unserer Tage aufgezeigt. Außerdem werden jährliche Sonderausstellungen und Kunstevents geboten.
ULTIMA VISTA EINE AUSSTELLUNG DER KLASSE DES STEPHAN HUBER
In der ehemaligen Kaserne auf dem Monte Rite
Noch bis 1. Oktober 2010
MMM Dolomites, Località Monte Rite, I-32040 Cibiana di Cadore (BL)
Tel. +39 0435 890 996
Der Aufstieg dauert auf markierten Wegen zirka eineinhalb Stunden. Es gibt auch einen Shuttle-Bus
Öffnungszeiten: Tägl. 10 – 13, 14 – 17 Uhr