Zahlreiche Mythen ranken sich um den Totenkult der alten Ägypter. Besonders die Legende um Tutanchamun und seinen Entdecker Howard Carter fasziniert nach wie vor. Die Ausstellung Tutanchamun – Sein Grab und seine Schätze gibt nun einen detaillierten Einblick in die Grabkammer des jungen Pharaos.
Nicht echt aber echt kostbar
Eines vorweg: Alle in der Ausstellung gezeigten Exponate sind Repliken. Sie wurden original- und maßstabsgetreu von ägyptischen Handwerksmeistern gefertigt und vergoldet. Um zu verstehen, warum die Ausstellung trotzdem funktioniert, muss man einen Blick zurück in die Geschichte der größten archäologischen Entdeckungen des letzten Jahrhunderts machen.
Archäologie (fast) zum Anfassen
Als Howard Carter 1922 das fast ungeplünderte Grab des Tutanchamun fand, handelte es sich um eine Sensation. Zwar war es bereits das 62. Grab, das Archäologen im Tal der Könige entdeckten, doch keines davon war in diesem unversehrten Zustand. Akribisch dokumentierten und konservierten Carter und seine Helfer jedes einzelne Fundstück. Danach verstreuten sie sich in der ganzen Welt. Heute finden sich die Originale vor allem im Ägyptischen Museum von Kairo. Im Zuge der Revolution Anfang des Jahres wurde auch das Museum von Plünderern heimgesucht – einige Objekte sind bis heute verschwunden. Die Mumie selbst ist wieder zu ihrer Grabstätte ins Tal der Könige zurückgekehrt. Damit ist Tutanchamun der einzige ägyptische Pharao, der seine ewige Ruhe in seinem ursprünglichen Grab fand.
Wer also die Schätze der Grabkammer sehen wollte, musste bis jetzt den Weg nach Kairo auf sich nehmen. Ein strenges Ausfuhrverbot verbietet nämlich das Ausleihen von antiken Kunstschätzen ins Ausland. Die durch Europa tourende Ausstellung zeigt nun diese Stücke erstmals in ihrer Gesamtheit.
Die Inszenierung ist dabei so originalgetreu wie möglich. Drei Grabkammern wurden exakt nachgebaut. Dem Besucher bietet sich der gleiche Anblick wie Howard Carter am 16. Februar 1923 bei der Graböffnung. Kostbare Schätze und luxuriöse Gebrauchsgegenstände stapeln sich auf kleinstem Raum bis unter die Decke. Den Höhepunkt der Grabkammer bildet selbstverständlich der reich verzierte Sarkophag. Im nächsten Teil der Ausstellung wird jedes Fundstück noch einmal gezeigt, erklärt und in den Kontext des Lebens Tutanchamuns gesetzt. Zudem wird anhand der Exponate der Glaube und der Totenkult der Ägypter beleuchtet. Dieses Ausstellungskonzept ist nur durch die Arbeit mit Repliken möglich. Zudem sind die Sicherheitsbestimmungen der Objekte geringer als bei den Originalen. Die Distanz wird vermindert. Geschichte rückt in fast greifbare Nähe.
Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze ist eine Ausstellung, die Archäologie spannend und anschaulich vermittelt.
Weitere Informationen
Tutanchamun – Sein Grab und die Schätze
24. September 2010 bis 19. Juni 2011
Expo XXI
Gladbacher Wall 5, 50670 Köln
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 10 – 18 Uhr
Website der Ausstellung