Einziger Wehrmutstropfen war das Wetter – beim Public Viewing in Bayreuth spielten sich nicht nur auf der Bühne Dramen ab. Doch wer bis zum Schluss ausharrte, zeigte sich als wahrer Opernfan.
Erfrischung von oben
Bereits zum zweiten Mal gab es in Bayreuth ein Werk Richard Wagners nicht nur im ehrwürdigen Festspielhaus zu erleben, sondern auch unter freiem Himmel – und das zum Nulltarif. Letztes Jahr saßen 40 000 Menschen auf Stühlen, Decken oder in Sonnenliegen, um sich die Walküre anzusehen. Der "Lohengrin" von Hans Neuenfels, der beim diesjährigen Public Viewing auf dem Programm stand, wurde ab 16 Uhr auf eine Großleinwand übertragen und dauerte fünfeinhalb Stunden. Im Unterschied zu drinnen, konnten die Wagner-Freunde auch während der Vorstellung an festlich gedeckten Tischen Bier, Wein und Bratwürste genießen oder sich an der Beach-Bar mit einem Cocktail erfrischen - sofern ihnen die Erfrischung von oben nicht genug war. Denn, nachdem die Besucher am Vormittag unter drückender Schwüle zu leiden hatten, mussten sie ab dem zweiten Akt im strömenden Regen ausharren.
Lob für erstklassige Organisation
Laut deutschem Wetterdienst war mit einem kleinen Schauer zu rechnen, daher hatten sich die meisten Zuschauer mit Schirmen ausgerüstet. Die brauchten sie in der ersten Hälfte dann hauptsächlich als Sonnenschutz. Oder die Festivalzeitung wurde als Sonnenhut umfunktioniert. Doch als der Schauer zu einem ausgewachsenen Regenguss wurde, zeigte sich die Qualität der Veranstaltungsorganisation. Kostenlose Capes wurden ausgegeben, so dass ungefähr die Hälfte der Zuschauer auf ihren Sitzen ausharrte. Zudem boten die Restaurantzelte Schutz. Mit dem Ende des zweiten Aktes schien dann zum Glück auch wieder die Sonne.
Technische Meisterleistung
Wagner "Romantische Oper" um den geheimnisvollen Schwanenritter wurde dank einer technischen Meisterleistung auf einer 180 Quadratmeter großen Leinwand auf dem Bayreuther Festplatz gezeigt. 86 Lautsprecher mit einer Gesamtleistung von 273 000 Watt sorgten für die Übertragung des Festspiel-Orchesters unter der Leitung des Dirigenten Andris Nelsons. Die Inszenierung des «Lohengrin» von Hans Neuenfels, der Chöre und Statisten in Rattenkostüme steckte und sie zu einem Laborversuch aufmarschieren ließ, war bei der Premiere im vergangenen Sommer noch äußerst kontrovers aufgenommen worden. In dieser Saison ist sie die am meisten bejubelte Aufführung der Festspiele.
Vorbereitungen im Vorfeld
Das größte Problem haben die Techniker. Wie filmt man eine Oper, ohne weder die Sänger noch das Publikum zu stören und ohne ein monotones langweiliges Bild zu erzeugen. Michael Beyer ist zuständig für die Bildregie. Er war bei unzähligen Lohengrin-Proben dabei und saß dort mit seiner Partitur und einem Bleistift, um sich für einzelne Takte die richtige Kameraeinstellung zu überlegen. 1064 hat er insgesamt aufgeschrieben. Hochkonzentriert und nach Anweisung filmen 30 Kameramänner aus der Ferne. In einem schalldichten Wagen werden die Bilder dann zusammen geschnitten und live auf die riesige Leinwand übertragen.
Programm für junge Wagnerfans
Bereits am Vormittag gab es rund um den «Ring des Nibelungen» ein Kinderprogramm mit einem Wagner-Erlebnisparcours. Außerdem war eine 90 Minuten lange Version des «Rings» in einer Fassung speziell für Kinder als Film zu sehen. 3 000 Gäste, darunter rund 1 000 Kinder, nutzten diese Möglichkeit. Anschließend konnten sich die jungen Wagnerfans aktiv die Welt der Nibelungen erschließen: Der Erlebnis-Ring lud zum Malen, Basteln, und Schminken mit Theaterprofis ein. Außerdem konnten die Kleinen, Instrumente des Riesen-Orchesters kennen lernen. Ist das das Publikum der Zukunft? Man will es hoffen.
Weitere Informationen
14. August 2011
Siemens Festspielnacht Public Viewing am Bayreuther Volksfestplatz
11:00 Uhr Kinderoper
16:00 - 22:00 Uhr Richard Wagners Lohengrin