STROKE02. Urban Art Fair in München

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Von 27. bis 30. Mai 2010 fand in München die zweite STROKE statt, laut den Veranstaltern die „weltweit erste Messe für Urban Art und New Contemporary Art“.

Ob es sich bei Graffiti und verwandten Kunstformen wie Illustration, Design und Straßenmalerei ...

... „noch immer um eine subkulturelle Erscheinung für eine ganz spezielle Zielgruppe“ handelt, hatten sich die Veranstalter bereits im Oktober des vergangenen Jahres gefragt – und sich die Antwort kurzerhand selbst gegeben: Die Galeristen und ihre Graffiti-Künstler zogen 2009 mehr als 7.000 Interessierte an, die in den ehemaligen BMW-Niederlassung in der Dachauer Straße auf drei Stockwerken mit gesprayter, gemalter, collagierter und gezeichneter Kunst in Berührung kommen wollten. 

Sammelbewegung öffentlicher Kunstformen 

„Urban Art“ dient als – reichlich vager – Sammelbegriff für junge Kunstentwicklungen, die sich als Teil einer weltweiten Bewegung verstehen und langsam den Weg aus der Subkultur in Medien, Galerien und bisweilen auch Auktionshäusern finden. Der britische Straßenkünstler Banksy, der durch den kunstfertigen Einsatz von Schablonengraffitis (sogenannte „Stencils“) und vor allem die konsequente Wahrung seiner Anonymität Berühmtheit auch außerhalb der Szene erlangte, gilt als einer ihrer bekanntesten Akteure. 

Dass die Künstler mit ihren oft halblegalen Guerilla-Aktionen nicht eben viele Stipendien an Land ziehen, und sich ein Wandbild schlecht in einer Galerie verkaufen lässt, versteht sich. Auch gilt Graffiti im betont seriösen Kunstbetrieb der großen Messen und Düsseldorfer Nobelgalerien immer noch als künstlerisches No-go. Entsprechend schwer fällt es den jungen Szenekünstlern und Illustratoren, sich den Regeln und betriebswirtschaftliche Erwägungen des etablierten Kunstmarkts zu stellen. 

Kann Graffiti Profit erwirtschaften?

Hier sahen die Veranstalter der STROKE.02 Handlungsbedarf – mit beeindruckendem Erfolg: 9.500 Menschen kamen 2010, um sich die „Urban Art Fair“ am Tucherpark anzusehen, 55 internationale Aussteller zeigten mehr als als 1.000 Kunstwerke auf 10.000 Quadratmetern; beim nächtlichen Rahmenprogramm ließen renommierte DJs die Plattenteller kreisen. Wer sich einen Eindruck der vielgestaltigen Arbeiten verschaffen will – die mit Begriffen wie Streetart, Graffiti, Illustration, Grafikdesign oder gar Spielzeug nur unzureichend erfasst werden –, sei auf die offizielle Fotogalerie und das Video mit vielen Messeeindrücken verwiesen. 

Neben den Schauräumen der Galerien – darunter die Berliner „Intoxicated Demons“, „Honeycumb“ aus New York und die Mailänder „United No Art Collection“ – gab es auf den Freiflächen des Geländes sogenannte „Live Paintings“ zu sehen, bei denen vor den Augen des Messepublikums meisterhaft gesprüht, gemalt, gezeichnet und geklebt wurde: Mitunter hatten die Wandbilder Käufer gefunden, bevor die Farbe getrocknet war. Als besonderes Schmankerl – nicht nur für die kleine Künstlerinnen und Künstler – hatten die Veranstalter eine Spielwiese aus Lego-Steinen eingerichtet. 

Baudrillards Aufstand der Zeichen 

Der prominenteste Fürsprecher der Graffitikunst – die je nach Sichtart als Hype ignoriert, als Trend gefeiert oder als Subkultur ernstgenommen werden will – war wohl der französische Kultur- und Medienphilosoph Jean Baudrillard: Bereits in den siebziger Jahren (in seinem Band „KOOL KILLER“) ergriff Baudrillard für die neue Kunst Partei, indem er erklärte: „Mit dem Graffiti bricht in einer Art von Aufstand der Zeichen das linguistische Ghetto in die Stadt ein.“
Der postmoderne Philosoph erkannte in den gesprühten Botschaften, die in das Kommunikationssystem der städtischen Landschaft eindringen, ein „Spiel der Zeichen“, das nicht auf Gewalt beruhte, „sondern auf Differenz“, und folgerte: „Es genügen tausende mit Markers und Sprühdosen bewaffnete Jugendliche, um die urbane Signalethik durcheinanderzubringen, um die Ordnung der Zeichen zu stören.“

Mit Markern und Sprühdosen werden sich die STROKE-Artisten vom 07. bis zum 10. Oktober 2010 erneut ausrüsten, um dem etablierten Kunstbetrieb ihre Vorstellungen von marktwirtschaftlich profitabler Urban Art entgegenzusetzen – dann allerdings nicht mehr in München, sondern im trendigeren Berlin.

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