Zeitgenössische Bühnenkunst in Fortsetzung – mit dem Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper „Undankbare Biester“ widmet sich der Pavillon 21 MINI Opera Space dem brisanten Thema Gewalt in der Familie.
Opera Space – Chance für Auftragswerke
Wer moderne Oper liebt, und speziell an Uraufführungen interessiert ist, wird das alternative Programm der Münchner Festspiele 2011 lieben. Der Pavillon 21 MINI Opera Space auf dem Marstallplatz bietet im zweiten Jahr seines Bestehens erneut Raum für Musiktheater des 21. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht eine Kammeroper als Gemeinschaftsproduktion von Árpád Schilling, Marcell Dargay und Márton Gulyás über ein gesellschaftspolitisches Thema.
Undankbare Biester
Die Kammeroper ist für sieben Musiker, vier Sänger und fünf Jugendliche in ungarischer Sprache mit deutschen Übertiteln geschrieben. Sie ist Teil der Trilogie Crisis, die dieses Jahr in Budapest, München und Prag entsteht und das Scheitern dreier Familienmitglieder zeigt. In Undankbare Biester, Teil 2 der Trilogie, steht die Geschichte des Vaters im Vordergrund, des Psychiaters Dr. Gyula Gát. Sein Spezialgebiet sind Kindheitstraumata und auf rätselhafte Weise sieht er sich in die Geschichte eines neu eingelieferten Patienten verstrickt, dem mehrere brutale Misshandlungen angelastet werden.
Ensemble Kreidekreis
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit Schillings Krétakör Theater (Kreidekreis) und jugendlichen Laiendarstellern. Das vom ungarischen Regisseur Arpád Schilling ins Leben gerufene Ensemble versteht sich seit einigen Jahren als Theaterlabor, in dem sich die Zuschauer mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen sollen. Unter der musikalischen Leitung des Komponisten Marcell Dargay spielen Musiker des Bayerischen Staatsorchesters. Undankbare Biester ist nach der Opernstudio-Produktion La Cenerentola bereits die zweite Arbeit Arpád Schillings an der Bayerischen Staatsoper.
Künstlerisches Konzept
Der 1974 geborene Ungar Árpád Schilling begann mit 17 Jahren als Schauspieler, wechselte aber bald zur Regie. Noch vor seinem Studium an der Budapester Theaterakademie, gründete er das Ensemble Krétakör. Während und nach seinem Regiestudium erarbeitete zahlreiche Inszenierungen und machte dieses Ensemble in Ungarn zu einem der wichtigsten innovativen Theater. Seit einigen Jahren verlagert Schilling seinen Fokus von der Erarbeitung regelrechter Inszenierungen vermehrt auf Projekte, die pädagogische Arbeit mit experimentellen Erkundungen verbinden. Dafür wurde er 2008 vom Französischen Kulturminister zum „Chevalier de l’Ordre des Arts et Lettres“ ernannt und erhielt 2009 den Europäischen Theaterpreis für Neue Realitäten im Theater.
Weitere Informationen
Undankbare Biester
19., 20. 22., 23. 07.2011, 20:00 Uhr
Pavillon 21 MINI Opera Space
Marstallplatz 4 80539 München
Tel.: 0 89/21 85 19 20