„Dieser Beruf ist nicht kalkulierbar!“ - Hans-Peter Korff wurde zum Publikumsliebling durch 30 Folgen von „Neues aus Uhlenbusch“ und als Familienoberhaupt Sigi Drombusch in „Diese Drombuschs“.
Bereits 1974 spielte er unter der Regie von Wolfgang Petersen den Assistenten des Kieler Tatort-Kommissars Klaus Schwarzkopf, 1979/80 war er selbst leitender Berliner Tatort-Kommissar. In diesem Metier hat er weiter Karriere gemacht und spielt in „Adelheid und ihre Mörder“ Kriminaldirektor Dünnwald.
Auch als Theaterschauspieler feiert Korff glänzende Erfolge. So spielte er an fast allen großen deutschen Bühnen wie dem Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg, am Staatstheater Stuttgart, am Schauspielhaus Düsseldorf und am Schauspielhaus Bochum, sowie am Hamburger Schauspielhaus, am Berliner Schillertheater und am Berliner Ensemble – um nur einige zu nennen.
Im Moment ist Hans-Peter Korff mit Michael Schanze am Schlosspark Theater in Berlin in dem Stück „Halpern und Johnson“ von Lionel Goldstein zu sehen.
Sein Motto: „Man muss ausgetretene Pfade verlassen!“
Wie alles begann
Globe-M: Herr Korff, Sie haben zunächst eine Drucker- und Setzerlehre gemacht, sich aber danach für den Schauspielberuf entschieden.
Hans-Peter Korff: Mein Vater war Buchdrucker. Und wenn man da in so einen Beruf gedrängt wird, das war damals so, da sagte der Vater: „Das machste! Das entspricht auch genau deinen Möglichkeiten!“ Diesen Beruf gibt es ja so nicht mehr, er hat sich ganz anders entwickelt. Damals ging das mit Bleisatz, das staubte ungeheuer. Man hatte das Blei überall, auch in den Knochen. Die Setzer tranken Bier wie sonst was, um das wieder rauszuspülen; das sind alles schwere Trunkenbolde geworden, naja, und dann …
Globe-M: Da war also beides schwer gesundheitsschädlich, das Gift und das Gegengift.
Hans-Peter Korff: Jaja, beides! Die waren mit 50 kaputt. Dann habe ich erfahren, dass es da einen Kulturring der Jugend gibt, eine Laienspielgruppe. Ein Bekannter von mir machte da mit, der sagte, komm doch mal mit hin. Und ich kam mit. Da traf ich einen sehr netten – heute ein uralter Mensch, ein Lehrer, der Stücke inszenierte, die die großen Häuser nicht spielten – Adamov, Ionesco und solche Sachen. Nebenbei habe ich noch die Lehre gemacht. Da musste ich durch, das war auch schrecklich in so einer kleinen Klitsche. Dann suchte die Studiobühne an der Uni noch Mitspieler – die machte der Peymann damals. Und dann bin ich da mal zum Vorsprechen gegangen ins Audimax – und die sagten sofort ja, kannst bei uns mitmachen. Und dann habe ich Studententheater gemacht. Wir haben im Audimax vor bis zu 1600 Leuten gespielt.
Globe-M: Und dann haben Sie Blut geleckt und Feuer gefangen?
Hans-Peter Korff: Jaja – aber wieso? Das sehr kleinbürgerliche Milieu, aus dem ich komme – und Theaterspielen war eben die Möglichkeit, da rauszukommen. Weil Buchdrucker werden, das wollte ich nicht!
Globe-M: Da haben Sie sich mit Ihren Vater wahrscheinlich doll gekabbelt…
Hans-Peter Korff: Und dann ging ich auch noch auf die Schauspielschule! Aber als ich die bestanden hatte, fand er das schon in Ordnung. Dann haben sie mich in gewisser Weise auch gehen lassen und nichts mehr für mich geplant.
Stationen einer tollen Karriere
Globe-M: Sie haben Ihren Beruf von der Pike auf gelernt, Theater gespielt, aber auch fürs Fernsehen gespielt. Das wird ja unter Theaterschauspielern ein bißchen belächelt, wenn einer vom Theater vor die Kamera geht.
Hans-Peter Korff: Also erst mal war das ganz unproblematisch. Als ich in Hamburg etwa fünf Jahre an Privattheatern gespielt habe, u. a. am Ernst-Deutsch-Theater, damals noch Junges Theater, da hab ich dann kleinere, schon bald aber auch größere Sachen für`s Fernsehen gespielt, auch mal ne Serie mit Witta Pohl.
Globe-M: Ihre spätere Partnerin bei den „Drombuschs“.
Hans-Peter Korff: Ja. Und dann bin ich ans Staatstheater nach Stuttgart gegangen. Da waren im Ensemble die Hoger, Klaus Wennemann, Rosel Zech, und so. Das junge Ensemble dort war schon was Besonderes. Also es war nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte, ich musste erst mal sehr klein anfangen. Bald hatte ich aufgrund von Kontakten mit Liebeneiner in Hamburg die Möglichkeit, einen Fernsehfilm zu machen – in den Ferien! Dann hat mich Wolfgang Petersen, der am Ernst-Deutsch-Theater Regieassistent gemacht hat, geholt, wir waren befreundet, der setzte mich dann in einem „Tatort“ in Kiel ein.
Globe-M: Mit Klaus Schwarzkopf?
Hans-Peter Korff: Ja, mit Klaus Schwarzkopf, dessen Assistenten ich spielte. Aber dann, zurück in Stuttgart…! Ich wurde vors Ensemble zitiert – wir hatten da ein Mitbestimmungsmodell ausprobiert: Und ich wurde unglaublich zur Sau gemacht.
Globe-M: Warum das denn?
Hans-Peter Korff: Verrat! Verrat am Theater! Verrat an unserer Profession, an dem, was wir von Herzen machen! Und die Leute, mit denen ich auch befreundet war, das waren die, die am meisten, am emphatischsten gegen mich angingen! Das waren hinterher aber genau die, die als erste Serienhelden im Deutschen Fernsehen wurden! (lacht).
Globe-M: Die Freundschaft hat das überstanden?
Hans-Peter Korff: Das ging hinterher auseinander, ein paar gingen nach Frankfurt, ich ging ans Schauspielhaus nach Düsseldorf. Dann reißt so ein Kontakt auch ab.
Globe-M: Ihre Lieblingsrolle?
Hans-Peter Korff: Was habe ich gerne gespielt. In Stuttgart den Sosias in Kleists „Amphitryon“. Da sah mich dann der zukünftige Intendant Juan Nagel des Hamburger Schauspielhauses. Ich wurde gefeiert, alle in Stuttgart wollten mich plötzlich behalten.
Lampenfieber…
Globe-M: Haben Sie damals Lampenfieber gehabt?
Hans-Peter Korff: Also das Lampenfieber -… ich durfte mal ganz am Anfang meiner Karriere, in der letzten Spielzeit von Gustav Gründgens, da durften wir Statisterie im Hamlet machen, wir von der Staatlichen Schauspielschule. Wir durften auch zugucken, wenn er inszenierte. Und da sagt Gründgens: „Dieser lange Mensch, der soll doch mal hoch auf die Bühne kommen!“ – und da gab er mir eine kleine Rolle. Vorher bekam ich 5 Mark pro Probe und jetzt 25 pro Probe und Vorstellung. Eine kleine Rolle, ein auftretender Bote, drei Sätze.
Dann der Tag der Premiere.
Gründgens lief aufgeregt und schweißüberströmt hin und her, lauschte immer, wie es lief; und ich war auch schon völlig fertig. Und Gründgens, der anscheinend noch viel fertiger war als ich, packte mich vor meinem Auftritt am Kostüm, schüttelte mich und schrie: „Sie! Brauchen! Überhaupt! Nicht! Aufgeregt! zu sein!“ Und dabei flog ihm der Schweiß aus seinen letzten Haaren.
Weil: Je älter man wird, desto verantwortungsbewusster fühlt man sich dem Publikum gegenüber. Dass man auch nicht von einer Regie falsch gesteuert wird, die dem Thema nicht gewachsen ist. Das habe ich dann häufig in die Hand genommen, Regisseure weggeschickt. Was dann aber als Ergebnis herauskam, bilde ich mir schon ein, war immerhin besser.
Globe-M: Und Ihr Lampenfieber heute?
Hans-Peter Korff: Keins. Erst recht nicht, wenn ich etwas erschöpft bin! Also ich habe gestern in Leipzig gedreht – und hinterher noch Theater in Berlin gespielt!
Am Berliner Schlosspark Theater
Globe-M: Ich habe gestern einige Idole meiner Jugend getroffen, Michael Schanze, Dieter Hallervorden, unseren Lehrer Doktor Specht Robert Atzorn, alle auf einmal, und jetzt Sie, der Sie mir das erste Mal in „Neues aus Uhlenbusch“ begegnet sind – meine Frage: Sind Sie befreundet mit Dieter Hallervorden – wie kam das Engagement am Schlosspark Theater für „Halpern und Johnson“ zustande?
Hans-Peter Korff: Ganz leicht – Hallervorden hat mich vor ungefähr einem Jahr angerufen und gesagt, ich möchte gerne, dass Sie bei mir ein Stück spielen – ein wunderbares Stück. Wird bereits in Wien gespielt….
Globe-M: Mit Helmut Lohner am Theater in der Josephstadt…
Hans-Peter Korff: Und dann hat er gesagt: „Schmeißen Sie bitte nicht den Hörer auf die Gabel, Ihr Partner wäre Michael Schanze.“ Michael Schanze kenne ich aus bestimmten Unterhaltungssendungen, wo er am Flügel sitzt und dem Publikum zugewandt in die Kamera singt. Und für Kinder hat er eine Sendung gemacht – das habe ich immer nur so zufällig gesehen – aber ich hatte meine Vorurteile, ganz klar. Und da sagte er: „Da müssen wir uns treffen!“ Sage ich: „Ich bin zu allen Schandtaten bereit, ich habe ja selber schon viel Unfug getrieben“ – in Comedies und Sit-coms und so. Dann haben wir uns getroffen. Da haben wir, Michael Schanze und ich, spontan so ne gute Wellenlänge zueinander gehabt – wir kannten uns ja überhaupt nicht.
Globe-M: Und nun spielen Sie beide sehr erfolgreich, wie man liest, und wie mir auch selbst gestern schien bei Ihrer Aufführung – man hat den Eindruck, es macht Ihnen beiden Spaß als „Halpern und Johnson“.
Hans-Peter Korff: Jaja, das macht schon Spaß!
Freunde
Globe-M: Wie wichtig sind Freunde? Auch für die Karriere eines Schauspielers?
Hans-Peter Korff: Es gibt keine Freunde. Ich habe keine Freunde. Jedenfalls kaum. Ich hatte mal Freunde wie Wolfgang Petersen, er war ja auf der Filmakademie hier in Berlin. Er sprach, auch als wir uns gut kannten, immer nur von Hollywood und amerikanischem Kino….
Globe-M: Da wollten Sie nicht hin?
Hans-Peter Korff: Nein, ich konnte da ja nicht hin, ich bin einen ganz anderen Weg gegangen. Er hat dann „Das Boot“ gemacht, da war ich auch nicht drin.
Globe-M: Hat Sie das gekränkt?
Hans-Peter Korff: Neeeinnn! Politisch stand ich damals sehr weit links und ging durch sämtliche linke Splitterparteien. Da hat er mal einen Film gemacht, der war mir zu rechtslastig. Da hab ich ihm gesagt – da spiel ich dir nicht mit, „Eiszeit“ hieß der, glaub ich. Dann ging er nach Hollywood. Und von allen Schauspielern im „Boot“, Hoenig, Wennemann usw. hat er keinen irgendwie empfohlen oder mitgenommen. Er hat nur an seine eigene Karriere gedacht. Außer vielleicht Prochnow, den er meines Wissen drüben aber auch nie beschäftigt hat, ist keiner von ihm irgendwie empfohlen worden.
Globe-M: Warum wohl nicht?
Hans-Peter Korff: Er wollte amerikanisches Kino nur mit Amerikanern machen und nur ganz großes Kino, große Formate! Da hatten wir nichts mehr drin zu suchen.
Globe-M: So hat sich die Freundschaft verlaufen…
Hans-Peter Korff: Das kann man so sagen!
Globe-M: Und andere Freunde?
Hans-Peter Korff: Nein. Ich hab einen ganz alten Freund, den kenn ich seit Stuttgart, den Namen muss ich nicht nennen, wir kennen uns seit 40 Jahren. Der ist ein bißchen jünger als ich, das ist immer noch ne Freundschaft.
Und wenn Sie mich fragen, was da noch so war, was sich erhalten hat: Viele, mit denen ich freundschaftliche Beziehungen hatte, leben nicht mehr. Und, ähm, das waren ja auch nicht nur Schauspieler.
Globe-M: Kann man also auch mit Nichtschauspielern als Schauspieler befreundet sein?
Hans-Peter Korff: Am allerbesten! Am allerbesten! Die meisten Schauspieler haben immer nur ein Thema. Die reden nur über das Eine.
Globe-M: Ist die Freundschaft zu Nicht-Schauspielern auch aus Konkurrenzgründen eher möglich?
Hans-Peter Korff: Nein. Obwohl – das gibt es auch, weil sich einer mit einem vergleicht. Klar, solche Dramen haben sich auch schon abgespielt. Man sieht sich selbst ja auch nicht objektiv oder aus allen Perspektiven.
Erfolgsgeheimnis
Globe-M: Haben Sie ein Erfolgsgeheimnis, das Sie uns verraten wollen?
Hans-Peter Korff: Nein. Dieser Beruf ist nicht kalkulierbar oder planbar.
Globe-M: Man muss ja auch entdeckt werden.
Hans-Peter Korff: Man darf sich vor allen Dingen mit wichtigen Leuten, oder solchen, die noch wichtig werden oder es bereits im Hintergrund sind – was man leider noch nicht weiß – keinesfalls überwerfen! Denen darf man nicht sagen, wissen Sie, weißt Du, da und da hast Du Quatsch gemacht, das ist Unfug, so wie das da im Buch steht, du lieber Himmel…! – Das geht nicht. Das hat Konsequenzen, und die kenne ich.
Motivation
Globe-M: Was motiviert Sie in Ihrem Beruf?
Hans-Peter Korff: Wenn Ihnen Ihr Beruf Spaß macht…Viele Schauspieler in meinem Alter, die müssen arbeiten, die haben nämlich ne ganz miese Rente. Diese Seite spielt auch ’ne Rolle, das will ich gar nicht verhehlen. Aber solange man sich das zutraut, und es dazu noch Spaß macht, warum denn nicht?
Globe-M: Verstehen Sie Ihren Beruf auch politisch?
Hans-Peter Korff: Ja, was will man vermitteln als Menschenbild, und was kann man dabei verantworten. Ich möchte den Satz „Alles ist politisch“ grade für diesen Beruf nicht überstrapazieren – aber ich denke schon, dass man Verantwortung hat.
Globe-M: Wollen Sie der Welt etwas mitgeben?
Hans-Peter Korff: Soll ich jetzt an meinen Nachruf denken?! Dass ich den Leuten, den Zuschauern, ich bin, was das angeht, ziemlich engagiert, die nicht nur unterhalten zu haben, sondern ihnen auch mitzuteilen: „Nun brich nicht immer gleich ab, wenn was passiert, und bemüh dich noch mal! Und sei nicht immer in den gleichen Wegen unterwegs!“ Also: Ausgetretene Pfade auch mal zu verlassen. Das halte ich auch selbst so.
Globe-M: Vielen Dank!
Das Interview führte Justinus Pieper.