Mit Richard Strauss' Oper "Elektra" in der Inszenierung von Herbert Wernicke eröffneten Christian Thielemann und die Münchner Philharmoniker das Festspieljahr 2010 im Festspielhaus Baden-Baden. In gleicher Besetzung folgte eine konzertante Darbietung im Münchner Gasteig.
Es ist wohl eher selten, dass eine Opernaufführung in allen Bereichen stimmig besetzt erscheint - mal schwächeln einzelne Sänger, mal das Orchester oder die musikalische Leitung. Bei dem Abend im Münchner Gasteig dagegen scheinen sich nur ausgewiesene Experten ihres Faches getroffen zu haben, um miteinander zu musizieren.
Packendes Opernerlebnis trotz Querelen im Vorfeld
Über das Zerwürfnis zwischen Christian Thielemann und den Münchner Philharmonikern ist schon viel geschrieben worden. Doch alle Beteiligten waren professionell genug, Differenzen und Spannungen bei der musikalischen Arbeit auszublenden, so dass am Ende das eindrucksvolle Gesamtergebnis für sich sprechen konnte.
Hochleistungssport der Sänger
Die in den Hauptrollen singenden Linda Watson (Elektra), Jane Henschel (Klytämnestra), Manuela Uhl (Chrysothemis), René Kollo (Aegisth) sowie Albert Dohmen (Orest) leisteten Herausragendes und wirkten in keinster Weise angestrengt, was bei einem solch exaltiertem Werk, wie Strauss’ „Elektra“ nur zu leicht möglich gewesen wäre.
Klanggewaltige Interpretation
Dass für Christian Thielemann der Klang im Zentrum seiner Aufmerksamkeit steht, kam schon öfters in Interviews zum Ausdruck. Deshalb liegen ihm auch groß angelegte spätromantische Werke besonders am Herzen. Aber entgegen rein opulenter Klangorgien, suchte Thielemann immer auch die präzisen leisen Momente, wohl wissend, dass das Düstere, Abgründige der „Elektra“ dieser zeitweisen Zurückgenommenheit in ein erschauderndes Flüstern bedarf. So konnte das extreme dynamische Spektrum bis hin zu den äußerst kompakten, nie schneidenden Fortissimoklängen wirksam eingesetzt werden.
Am Ende Ovationen für alle
Sei es der kurze Part des Philharmonischen Chores oder die Darbietung einer der fünf Mägde, alle Beteiligten hatten zum gewaltigen Applaus der Aufführung verdientermaßen beigetragen. Letztendlich waren es besonders diese fantastische Ausgewogenheit und die konzentrierte Übereinstimmung zwischen Stimme und Orchester, die den Abend zu einem bewegenden Erlebnis hatten werden lassen.