Die Dependance Berlin der Nolde Stiftung Seebüll zeigt in ihren Räumen am Gendarmenmarkt jährlich drei Ausstellungen. Im Mittelpunkt der aktuellen Schau stehen die Wohnungen und Häuser des Malers und seiner Frau Ada.
Bauerngärten
Emil Nolde, 1867 als Emil Hansen im Dorf Nolde bei Tondern im heutigen Dänemark geboren, liebte seine Heimat, die sein künstlerisches Werk wesentlich prägte. Nach Stationen in St. Gallen, Paris und Kopenhagen, Reisen in die Südsee, nach London und Spanien, zog es den Maler nach Seebüll an die dänische Grenze. Hoch im Norden entstanden auch während des durch die Nationalsozialisten auferlegten Malverbotes seine „ungemalten Bilder“, eine Folge von über 1300 kleinformatigen Aquarellen. Hier starb der Maler 1956 und hinterließ die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde.
Am Strand von Alsen oder in einem Scheunenraum von Utenwarf arbeitete der Künstler, manchmal unter freiem Himmel. Dort fand er seine Themen und Motive: die weite Marschlandschaft mit dem wolkenreichen Himmel, die Höfe, einsam gelegen auf den Warten, sowie das mächtige Meer. Ab 1927 bezog er in Seebüll sein Atelier in dem Haus, das bis heute die Stiftung beherbergt.
Großstadtleben
Doch auch das kulturelle Leben der Metropole Berlin zog Emil Nolde an, bildete regelmäßig eine Gegenwelt. Ab 1905 verbrachte er dort mit seiner Ehefrau Ada die Wintermonate, zuerst in einfachen Pensionen, zum Herbst 1910 bezog das Ehepaar erstmals eine eigene Wohnung. Sie lag am eleganten Tauentzien, vis-à-vis des neu erbauten Kaufhaus des Westens. Besonders das Nachtleben faszinierte den Künstler, er malte Szenen aus Tanz, Theater und Cabaret. „Allabendlich um elf zog ich meine dunkle Hose an … und Ada ihr bestes Kleid.“ Das Ehepaar genoss sichtlich die unterschiedlichen Welten, in denen es lebte – und die in der Ausstellung anhand von zahlreichen Gemälden, Aquarellen, historischen Dokumenten und Fotografien vorgestellt werden.
Später bezogen Noldes eine Wohnung in Neu-Westend, besuchten Maskenbälle und planten den Bau eines eigenen Hauses. 1929 beauftragte Emil Nolde den Architekten Ludwig Mies van der Rohe ein Künstlerhaus in Berlin-Dahlem zu entwerfen, das allerdings nicht realisiert wurde. Zeitgleich mit dem Deutschen Pavillon in Barcelona und dem Haus Tugendhat in Brünn entstand ein Gebäude, bei dem der Innen- und Außenraum ineinander übergehen. Rudolf Bertig von der RWTH Aachen rekonstruierte das geplante Künstlerhaus anhand von Bauakten. Das in der Ausstellung gezeigte Modell veranschaulicht das Konzept des „fließenden Raumes“, die Verbindung der Wohn- und Atelierräume mit dem Garten. Dieser Traum Noldes wurde in Seebühl verwirklicht und ist bis heute zu besichtigen.
Zur aktuellen Ausstellung erscheint in der Reihe Seebüller Hefte 02 die Begleitpublikation „Emil Nolde und Mies van der Rohe“ sowie „Emil Noldes Berliner Seiten“, in der Jörg Garbrecht viele bislang unbekannte Anekdoten aus dem Alltagsleben Noldes in Berlin schildert.
Weitere Informationen:
Vom Fischerhaus zur Stadtvilla. Emil Nolde und Mies van der Rohe
bis zum 7. Oktober 2012
Jägerstraße 55
10117 Berlin
Täglich 10-19 Uhr