Mission: Impossible

Victoria Belikova am 14.04.2012
Ajdan Salachowa, Fiac Paris, 2005 © Foto: Gabriele Heidecker
Ajdan Salachowa, Fiac Paris, 2005 © Foto: Gabriele Heidecker

Die älteste private Kunstgalerie in Moskau - eröffnet vor genau 20 Jahren - wird nach dem Willen ihrer Besitzerin Ajdan Salachowa geschlossen. Die Galeristin und Malerin wird sich ab jetzt ausschließlich ihrer eigenen Kunst widmen.

An dem Tag, an dem die Ajdan-Galerie ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiert, endet ihre Ausstellungstätigkeit. Ab dem 23. April werden noch die alten Bestände verkauft und die großzügigen Räume auf dem Gelände des Kulturzentrums „Winzavod“ zu dem „Ajdan-Studio“ umgebaut, einem privaten Atelier der Künstlerin. Eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der russischen Art-Szene glaubt, sie hätte ihre Mission erfüllt, und konzentriert sich von nun an auf ihre künstlerische Tätigkeit. Ajdan Salachowa gibt offen zu, dass es für sie auch aus wirtschaftlichen Gründen viel interessanter ist, als Künstlerin und nicht als Galeristin zu arbeiten.

Von der Zensur verhüllte Skulptur einer Verhüllten

In der Tat ist der Kunstmarkt in Russland weitgehend unterentwickelt und viele Galeristen klagen, dass es für sie immer schwieriger wird, Ausstellungsprojekte zu verwirklichen. Dagegen steigt der Bekanntheitsgrad der bildenden Künstlerin Salachowa auch international von Jahr zu Jahr. In ihren Bildern und Skulpturen thematisiert sie Frauenbilder, Geschlechterverhältnisse und Machtfragen in Bezug auf religiöse und kulturelle Konventionen. Zu ihrer Popularität trug unter anderem die Tatsache bei, dass zwei ihrer Werke auf der Biennale 2011 in Venedig zensiert wurden. Im nationalen Pavillon von Aserbaidschan wurden sie zunächst verhängt und daraufhin aus der Ausstellung entfernt. Betroffen war neben der Skulptur „Der schwarze Stein“, die an das Heiligtum in Mekka erinnert, vor allem die stark abstrahierte Statue einer schwarz verschleierten Frau mit dem Titel „Wartende Braut“.
 
Atelier und Showroom für privaten Gebrauch

Im Ajdan-Studio wird es laut Salachowa neben dem Atelier auch einen Showroom geben. Ab dem kommenden Herbst sollen hier die Arbeiten der Künstlerin und die ihrer Schüler präsentiert werden. Denn ihre pädagogische Tätigkeit möchte sie nicht aufgeben: Seit 2000 unterrichtet Ajdan Salachowa in der Moskauer Staatlichen Kunsthochschule W. I. Surikow. Diese wohl renommierteste Kunsthochschule Russlands hat sie selbst einst erfolgreich absolviert. Kurz danach brach die Zeit großer Veränderungen an: Gorbatschow ließ Privatbetriebe zu und Ajdan kam auf den Gedanken, mit dem Verkauf von Bildern Geld zu verdienen. Sie wurde zu einer der Vorreiterinnen des Galeriegeschäfts in Russland und gehörte zu den wenigen Anbietern aktueller und junger Kunst von hoher Qualität.

Nun schließt die Ajdan-Galerie und hinterlässt eine große Lücke in der russischen Kunstszene.  Man kann und darf der Künstlerin gewiss nicht vorwerfen, dass die Mission, die sie mit ihrer Galerie erfüllte, doch unvollendet blieb. Es ist nur sehr bedauerlich, dass ohne ihre Galerie die Entwicklung einer spannenden und wirtschaflich relevanten Kunstzene in eine noch weitere Ferne gerückt ist.

Weitere Informationen:
Ajdan-Galerie 
Zentrum zeitgenössischer Kunst Winzavod