Hin und wieder zurück

Jan Fischer am 01.03.2012
Andy Hope verwendet Superhelden und schwarze Quadrate / Foto: Jan Fischer
Andy Hope verwendet Superhelden und schwarze Quadrate / Foto: Jan Fischer
Filmstill aus John Smiths "Om" / Foto: Jan Fischer
Filmstill aus John Smiths "Om" / Foto: Jan Fischer
Andy und Johann, zusammengebracht von Barbara Klemm / Foto: Jan Fischer
Andy und Johann, zusammengebracht von Barbara Klemm / Foto: Jan Fischer

Andy Hope, John Smith und Barbara Klemm: Diese drei vollkommen unterschiedlichen Künstler stellt die Kestnergesellschaft in Hannover aus. Sie haben nichts miteinander zu tun, ergänzen sich allerdings hervorragend.

Beginnen wir mit Barbara Klemm: Die Kestner-Gesellschaft stellt „Künstlerportraits“ der bedeutenden journalistischen Fotografin aus: Bildende Künstler, Regisseure, Schriftsteller: Andy Warhol ist dabei, Alfred Hitchkock, eine ganze Armada deutscher Autoren, so ungefähr aus der Generation von Peter Handke. Klemms Bilder sind sehr direkt, sehr auf den Punkt, man könnte auch sagen: Mit dem Holzhammer komponiert. Andy Warhol steht vor Tischbeins berühmten Goethe-Gemälde herum, ist auch Tourist und hat ungefähr den denselben Gesichtsausdruck. Oder Friederike Mayröcker: Sie sitzt in ihrem Arbeitszimmer, wirkt eher klein und zerbrechlich zwischen all dem beschriebenen Papier, dass sie dort lagert. Barbara Klemm spricht sehr direkt in ihren Portraits, es sind fast schon Suchbilder: Irgendwo steckt immer eine Metapher, die auf das Werk des Portraitierten gemünzt ist: Das Kompositionspronzip ist immer gleich, und soviel Direktheit ist – wenn sie massenweise auftritt - eher langweilig. 

Störer

John Smith versucht es andersherum, man kann es schon hören, während man versucht, in den Linien von Bob Dylans Gesicht zu lesen: Ein langgezogenes, nie versiegendes „Om“, von irgendwo hinter der Wand mit den Musikern. Der Filmkünstler John Smith ist ein Störer, einer, der mit Sehgewohnheiten spielt, der einen nicht in Ruhe lässt mit dem, was man glaubt zu wissen: Was da „Om“ macht, ist ein buddhistischer Mönch, oder sieht zumindest aus wie einer, solange, bis das Räucherstäbchen sich als Zigarette entpuppt und der glatzköpfige Mann seinen orangenen Umhang herunterreißt, und sich darunter als Neonazi entpuppt. Es ist das Gegenteil der ungebrochenen Fotos von Barbara Klemm, die immer gleich sind, immer gleich funktionieren: Bei John Smith gibt es immer einen Twist, oder eine Lücke, die von der eigenen Einbildungskraft überbrückt werden muss: Smith ist sehr viel offener als die dichten, fast schon wuchtigen Schwarzweißbilder von Barbara Klemm. 

Metabedeutungsmaschine

Im Obergeschoss dann – fast schon symbolisch darüber platziert – Andy Hope und seine Metabedeutungsmaschinen: John Smiths Filme reflektieren zwar das Medium, aber Andy Hopes Gemälde voller verzweifelter Superhelden und Zeitmaschinen, die in schwarzen Quadraten verschwinden, reflektieren das Stück Zeitgeschichte mit, dass zu ihrer Entstehung geführt hat: Wo Malewitsch die Bedeutung aus der Kunst gesaugt hat, da füllen sie die Popmythen der Superhelden wieder auf: In Andy Hopes Bildern entzieht sich beides gegenseitig Kraft, und hinterlässt ein eigenartiges Spannungsfeld, dass weit geöffnet ist, das im Grunde, in letzer Konsequenz, nur Lücke ist: Die schwarzen Quadrate, die Superhelden, im Grunde ist das nur das Personal, dass die zu füllenden Lücken im Werk Andy Hopes schafft, und danach abtritt, um der Jetztzeit, dem Betrachter, ihren Platz zu lassen. 

Gegenseitige Befütterung

Es ist interessant zu sehen, wie diese drei Künstler, diese drei Einzelausstellungen miteinander interagieren, sich gegenseitig befüttern und bekriegen, wie sich auf dem Weg durch das Gebäude der Kestnergesellschaft nach oben die starren, festgegipsten Formen und Bedeutungsstrukturen auflösen, und auf dem Rückweg wieder zusammenfügen, fast, als erzählten sie eine Fortsetzungsgeschichte über Bedeutungsproduktion, -reproduktion, -zerstörung, und wieder zurück: Fast, als sei es mit Absicht so zusammengestellt. Aber das ist vielleicht auch nur wieder eine dieser Illusionen: Dass das alles irgendwie zusammenhängt. Vielleicht ist das so, vielleicht auch nicht. Mindestens aber: Lohnenswert.

 

Weitere Informationen

Die Website der Kestnergesellschaft 

 
 

Folge globe-M auf Twitter