Denkmal und andere Antiquitäten

Roland Opschondek am 15.04.2012
Miniaturmodell der Münchner Ludwigskirche als Uhr, um 1840, feuervergoldete Bronze, Höhe: 37 cm. Foto: Antike Uhren Grundner
Miniaturmodell der Münchner Ludwigskirche als Uhr, um 1840, feuervergoldete Bronze, Höhe: 37 cm. Foto: Antike Uhren Grundner

Auf der diesjährigen Münchener Kunst- und Antiquitäten- Ausstellung gibt es einen Schwerpunkt zu historischen Gartenmöbeln. Auch in diesem Jahr ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) vom 21. bis 29. April 2012 wieder vertreten.

Auf Stand Nummer 57 im Festsaal im Paulaner am Nockherberg wirbt das DSD-Ortskurato­rium München unter der Leitung von Peter-Christian von Taysen neben rund 60 Kunsthändlern und Galeristen des Münchner Antiquitätenmarkt e.V., die sowohl Antiquitäten als auch qualitätvolles Kunsthandwerk und bayerische Volkskunst aus verschiedenen Epochen darbieten, für ihr Anliegen, wertvolle Baukultur zu bewahren.

Selbst ein Denkmal setzen

Die Stiftung rechnet dabei mit einem am Erhalt des kulturellen Erbes interessierten Publikum. Dort bietet die DSD die Möglichkeit zur treuhänderischen Verwaltung von Stiftungen und Namensfonds. Gesucht werden Stifter, die für ein Denkmal ihrer Wahl ein Stiftungs- oder Fondskapital als Vermächtnis an die Zukunft zur Verfügung stellen wollen. So können sich Bürger gewissermaßen durch ein Monument ein Denkmal setzen. Seit über 25 Jahren engagiert sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz für den Erhalt und die Pflege von Kulturdenkmalen in Deutschland. Bisher konnte sie über 480 Millionen Euro für mehr als 4100 Projekte zur Verfügung stellen.

Park & Bank: Historische Gartenmöbel

Gärten und Parkanlagen sind nicht nur Oasen der Ruhe und Erholung, sie sind zugleich ein Spiegel ihrer Zeit. Bevorzugte man im Barock architektonisch exakt gezirkelte Anlagen mit lauschigen Nischen und Labyrinthen, für die Bildhauer von Rang Skulpturen und Bänke in Stein entwarfen, feierte im 19. Jahrhundert, als in den Städten die ersten öffentlichen Parks und Kuranlagen entstanden, Mobiliar aus Eisenguss Triumphe. Seit einigen Jahren sind historische Gartenmöbel und Gartenskulpturen in den Focus von Sammlern, Gartengestaltern und Innenarchitekten gerückt. Sie bringen stilvolles Flair in jede Grünanlage, jede Loggia und jeden Wintergarten. Und sie erzählen Geschichte. Pünktlich zum Auftakt der Gartensaison bietet die Kunst & Antiquitäten München, die vom 21. bis 29. April 2012 stattfindet, eine Auswahl dieser Outdoor-Antiquitäten.

Eisenmöbel von Schinkel und Yates

Kein geringerer als der Berliner Architekt und Entwerfer Karl Friedrich Schinkel wurde um 1830 mit dem Entwurf der Gartenmöbel für die Römischen Bäder in Potsdam beauftragt. Die zierliche Eisenguss-Bank mit den antikischen Erotenmotiven und den Widderköpfen am Ende der Armlehnen, die in den preußischen Eisengießereien gefertigt wurde,  gilt als einer der frühesten Klassiker des Designs. Sie gehört heute zum Bestand des Vitra-Design-Museums. 
Ein Exemplar aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts offeriert auf dem Nockherberg Klaus Spindler, der zudem eine neogotische Bank aus England anbietet. Das rapportartig gestaltete Möbel mit dem gotischen Maßwerk im Rücken wurde ab etwa 1840 in der Rotherham Foundry in England hergestellt. Innerhalb weniger Jahre wurde der Entwurf des Gießers und Architekten James Yates zu einem der populärsten Gartenmöbel Europas. Ab 1842 wurde das Modell von amerikanischen Gießereien übernommen, und selbst die preußischen Könige orderten bei Yates Exemplare für den Garten des burgenartigen Schlosses Babelsberg bei Potsdam.

Gusseisen, der erste Kunststoff

Das 19. Jahrhundert wurde zur Epoche des gusseisernen Gartenmöbels. Das Material eröffnete unbegrenzte Möglichkeiten an Formen und Dekoren, wie ein Neorenaissance-Tischchen mit Tatzenfüßen und Mittelsäule bei Christina Haubs zeigt. Die Münchner Händlerin hat zudem einen Satz von sechs durchbrochenen Scheren-Hockern  - um 1850 in Neapel gegossen -  auf ihrem Messestand. Auch dieses Modell eroberte wohl ganz Europa und wurde in abgewandelter Form in Spanien, Frankreich und selbst im schwäbischen Wasseralfingen  hergestellt.

Weitere Informationen

Text: Stiftung Denkmalschutz, Kunst & Antiquitäten München, globe-m

86. Kunst & Antiquitäten München, 21. bis 29. April 2012, im Festsaal des Paulaner am Nockherberg, Hochstr. 77, 81541 München, Öffnungszeiten: tägl. 11 bis 19 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr, Eintritt:  9 Euro, erm. 6 Euro, www.kunst-antiquitaeten.de