Die Südgalerie des Centre Pompidou zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung Arbeiten des Videokünstlers Anri Sala, der Frankreich auf der Biennale von Venedig 2013 vertreten wird. Seine Filme und Objekte entwickeln eine Sprache, kommunizieren untereinander und mit den Besuchern.
Rhythmus für Augen und Ohren . . .
Im Januar 1977 wurde das Centre national d’art et de culture Georges Pompidou als staatliches Kunst- und Kulturzentrum eröffnet. Entworfen von Renzo Piano und Richard Rogers, ist das Gebäude bis heute ein umstrittenes und faszinierendes Objekt, stark frequentiert von Touristen und Einwohnern der französischen Hauptstadt. Das Areal vor dem markanten Komplex dient seit Jahrzehnten als Treffpunkt für Jung und Alt aus aller Welt, die in die Fassade integrierte Rolltreppenkonstruktion führt hinauf in den 6. Stock und bietet einen grandiosen Blick über Paris.
Die Galerie Sud liegt im unteren Bereich des Gebäudes. Eine exklusiv für diese Räume geschaffene Installation des 1974 in Albanien geborenen Anri Sala lässt in eine ganz besondere Atmosphäre eintauchen. Fünf Bildschirme, Objekte, die sich bewegen, Fotografien – und dazwischen die Besucher, stehend, sitzend, leise redend. Teil der Installation, Teil der Raumerweiterung von innen nach außen. Und so bewegen sich nicht nur die Blicke von einer der fünf Leinwände zur nächsten, verfolgen die Komposition des international bekannten Videokünstlers.
. . . Körper und Architektur
Sala schlägt den Besuchern einen Rundgang vor, lädt sie ein, einen Moment der Zeit und des Raumes zu erfassen, miteinander in Kontakt zu treten. Wie in einer Choregraphie, von einem Film zum nächsten, manchmal unterbrochen, begleitet oder übertönt von Trommeln, Musik, Sprechgesang.
Vier Filme aus den Jahren 1992 bis 2011 führen in verschiedene Orte. Die Zuschauer folgen den Personen, die während des Krieges durch die Straßen von Sarajevo laufen, stehen in einem verlassenen Konzertsaal in Bordeaux. Begleitet von Musik, einer Symphonie von Tschaikowsky, einer neuen Version von The Clash: Should I Stay or Should I Go. So sind die Filme Instrumente, jeder spielt eine Melodie.
Auch in Berlin und Tlatelolco/ Mexico City spielen die Geschichten. Ergänzt von Bewegungen der Doldrums, der Besucher, ja auch der Figuren des Igor-Stravinsky-Brunnen draußen vor dem Centre. Die farbintensiven Figuren und Objekte von Niki de Saint-Phalle und Jean Tinguely sind durch die Glasscheiben zu sehen, Passanten eilen vorbei. Wer sich einlässt, wird Teil eines intensiven Ausstellungserlebnisses.
Die Installation ist bis zum 06. August 2012 zu besichtigen, ein Katalog in Französisch und Englisch erhältlich.
Weitere Informationen
Südgalerie
Place Georges-Pompidou
75004 Paris
täglich 11.00 bis 21.00
Dienstag geschlossen